Sonntag, 20. Februar, 2011
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Wie die Verschmutzung der Weltmeere voranschreitet

Bild 1 : Oberflächennahe Strömungen in den Ozeanen

Bild 1 : Oberflächennahe Strömungen in den Ozeanen

Siebzig Prozent unseres Planeten sind vom Wasser der Weltmeere bedeckt. Die drei Größten davon sind der atlantische,  der indische und der pazifische Ozean. Sie werden von Strömungen durchzogen von denen die besonders Oberflächennahen auf Bild 1 abgebildet sind. Meeresströmungen entstehen durch das Zusammentreffen warmer Winde aus den Tropen und kalter Winde aus den Polargebieten, den Wechsel tropischer, gemäßigter und polarer Klimazonen der zu unterschiedlichen Wassertemperaturen führt, den Salzgehalt des Wassers und die Erdrotation. Meeresströmungen haben durch den Austausch von Wärme zwischen den Tropen und den Polargebieten einen großen Einfluss auf das Klima und aus dem Zusammenwirken der Strömungen ergeben sich sogenannte Meereswirbel.

Bild 2 : Die größten Meereswirbel

Bild 2 : Die größten Meereswirbel

Auf Bild 2 sehen Sie die fünf größten subtropischen Wirbel, windschwache Hochdruckgebiete der in den die Strömungskreise unter dem Einfluss der Erdrotation auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn und auf der Südhalbkugel entgegen dem Uhrzeigersinn verlaufen, auf Grund der Corioliskraft. Segler begeben sich nur selten in diese Gebiete denn, aufgrund der schwachen Winden kommen ihre Boote nur langsam voran und auf Grund des geringen Nährstoffgehalts sind auch die Fischbestände und auch der Fischfang dort nicht besonders entwickelt, Sie sind also verhältnismäßig unbekannt. Der Pazifik macht allein fünfzig Prozent der Gesamtfläche der Weltmeere aus. Sehen wir uns den nördlichen Teil dieses Ozeans genauer an. Die vier wichtigsten Strömungen im Nordpazifik sind der Kuroshio, der nordpazifische Strom, der Kalifornienstrom und der nordäquatorialstrom. Gemeinsam erzeugen sie den Nordpazifikwirbel.

In den achtziger Jahren stellte die US amerikanische Behörde zur Erforschung der Ozeane und der Atmosphäre, NOAA, eine bedeutende Ansammlung von Plastikteilen in diesem Wirbel fest, vor Allem vor der japanischen Küste. 1997 schlug der US amerikanische Skipper Charles Moore, der Begründer der Meeresforschung die Stiftung Algalita Marine Research Foundation, nach einer Fahrt durch diesen Wirbel Alarm, um auf die Existenz eines wahren Kontinents aus Plastikmüll hinzuweisen. Dieser Kontinent hat ungenaue Umrisse und eine geschätzte Gesamtfläche von 1,5 bis 3 Millionen Quadratkilometern. Die Dichte des Müllteppichs wird auf etwa fünf Kilo pro Quadratkilometer geschätzt, er treibt  in einer durchschnittlichen Tiefe von zehn Metern und man findet Teilchen bis zu einer Tiefe von 30 Metern. Trotz der Schwierigkeit die genaue Lage der Zone zu bestimmen, war in den Medien bald die Rede von einer Müllinsel  im Nordpazifik, vom siebten Kontinen,t vom Plastikstrudel und Great Pacific Garbage Patch.  Begriffe zur Beschreibung des immensen Umweltproblems gibt es also genug. Einer neueren Studie der NOAA zufolge, handelt es sich nicht um eine, sondern um zwei Plastikmüllansammlungen im Nordpazifik, deren höchste Konzentration auf Bild 3 in Orange zu sehen ist.

Bild 3 : Plastikmüllsammlungen im Nordpazifik

Bild 3 : Plastikmüllsammlungen im Nordpazifik

Die eine im Osten, zwischen Kalifornien und Hawaii, die andere im Westen zwischen Hawaii und Japan. In den bereits erwähnten Meereswirbeln sammeln sich die Plastikteilchen zu einem gigantischen ozeanischen Müllteppich. Woher stammen aber die Plastikteilchen, die mehr als eintausend Kilometer von der Küste entfernt im Meer treiben?

Von 260 Millionen Tonnen Kunststoff die weltweit jährlich hergestellt werden landen schätzungsweise zehn Prozent im Meer, und dieses Plastik macht 89 Prozent der festen Abfälle aus, die das Meer verschmutzen. Wie aber kommt es ins Meer? Es gibt vier Kategorien von Abfall. Direkt ins Meer gelangen Abfälle aus dem Fischfang, vor Allem dem Industriellen, wie Netze und Reusen und Abfälle von Schiffen, die ins Wasser fallen oder über Bord geworfen werden. Vom Festland aus gelangt der weitaus größte Anteil ins Meer, bis zu 80 Prozent.  Müll der von Touristen an den Stränden zurückgelassen wird und durch Wind und Wellen ins Meer gelangt, sowie Rückstände aus Abwässern, die bei starkem Regen in die Flüsse oder direkt ins Meer gelangen. Die Folgende Animation: Weg des Plastiks ins Meer innerhalb von 6 Jahren zeigt den Weg den das Plastik innerhalb von sechs Jahren zurücklegt.

Die von Schiffen oder vom Festland aus ins Meer gelangten Plastikteile werden von der Strömung erfasst. Dort kommen immer mehr Teile zusammen und sobald sie sich in einen Wirbel befinden, verlassen sie ihn nicht mehr. Dem Team von Charles Moore zufolge kommen im Nordpazifikwirbel im Durchschnitt 300 000 Teilchen auf einen Quadratkilometer, manchmal sind es mehr als eine Million. Der weltweite Durchschnitt beträgt 13000 Teilchen pro Quadratkilometer also 23 Mal so wenig.

Die Hawaii-Inseln sind besonders betroffen von den Plastikabfällen, denn sie liegen direkt auf dem Weg des Mülls, in der Nähe des Wirbels, aber nicht nur der Nordpazifik ist davon betroffen, im Nordatlantik hat man eine ähnlich hohe Konzentration festgestellt und angesichts der Meereswirbel ist es sehr wahrscheinlich, dass sich ähnliche Müll Teppiche auch im Indischen Ozean sowie im Südatlantik und dem Südpazifik befinden. Natürlich lässt sich dieser Plastikmüll auf Grund der Eigenschaften des Meeres nur annähernd auf der Karte darstellen. die Bezeichnung Insel ist anschaulich und einprägsam, aus wissenschaftlicher Sicht aber unangebracht, denn durch die Strömung sind in Plastikteilchen in ständiger Bewegung und es lassen sich weder geographische, noch politische Grenzen wie auf dem Festland bestimmen, außerdem handelt es sich nicht um eine feste Masse aus verklumpten Plastikteilen, sondern um ein Gebiet mit einem hohen Anteil an treibenden Teilchen. Auf Grund der Mobilität des Plastikmülls leugnen mancher Skeptiker die Existenz von Müllinseln, außerdem gibt es keine Luft oder Satellitenaufnahmen da die meisten Teilchen sehr klein bis winzig sind, wie auf Bild 4 zu sehen ist.

Bild 4 : Plastikteilchen aus dem Meer

Bild 4 : Plastikteilchen aus dem Meer

Außerdem treiben die Teilchen nicht an sondern unterhalb der Wasseroberfläche. Das ändert nichts an ihrem Einfluss auf die Umwelt, denn ihre Zersetzung dauert außerordentlich lange. Etwa zwanzig Jahre bei einem Plastikbeutel und 450 Jahre bei einer Plastikflasche. bei der Zersetzung zerfallen die Abfälle in immer kleinere Teile. Während dessen verfangen sich Meerestiere in Plastikbeutel oder Netzen oder sie verschlucken kleinere Plastikteile, ersticken daran oder sterben an Verstopfung.

Dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen zufolge sterben jährlich mehr als eine Million Vögel und über 100 000 Meeressäuger durch Plastikmüll. da außerdem die Grundstoffmoleküle nicht vollständig abgebaut werden, wirkt Plastik wie ein schwamm an dem sich Gifte anlagern, die anschließend in die Nahrungskette der Tiere und des Menschen gelangen.

Gibt es Lösungen für das Problem? Eines der provokantesten Lösungen stammt vom niederländischen Architekturbüro WIMM

Es schlug 2009 vor, Müllteppiche in Land zu verwandeln, das heißt aus dem im Meer treibenden Plastik, eine künstliche Insel namens Recycled Island anzufertigen und zwar mit drei Zielen. Die Ozeane eine von Plastikabfallen säubern und daraus Baumaterial machen, Land gewinnen auf den Menschen leben könnten, die durch den Anstieg des Meeresspiegels vertrieben werden und neuartige nachhaltige und Energieneutrale Wohnformen entwickeln. Diese 10 000 Quadratkilometer große schwimmende Insel könnte im Nordpazifik entstehen wo sich der größte Müllteppich befindet und könnte fast 500 000 Klima Flüchtlingen Zuflucht bieten. Natürlich erscheint dass eher unwirklich aber es macht auf provokante Weise deutlich, wie wichtig eine dauerhafte Lösung für die 250 Millionen Klimaflüchtlinge ist, die von der UNO bis 2050 erwartet werden. eine ernsthaftere Lösung ist das US amerikanische KySy Projekt, dabei wurden 2009 und 2010 zwei Forschungsreisen unternommen, um möglichst viele Informationen über den Müllteppich im Pazifik zu sammeln und eine Säuberungsaktion vorzubereiten. Diese wäre allerdings äußerst komplex. Die kleinen Ausmaße der meisten Plastikteilchen und ihre Präsenz in größeren Tiefen machen umfangreiche technische Investitionen erforderlich. Das Sammeln von Abfällen auf hoher See und in großen Tiefen wird einen hohen Energieverbrauch nach sich ziehen. Die Vorrichtungen zum einsammeln der winzigen Plastikteilchen könnten selbst eine Gefahr für die Pflanzen und Tierwelt werden, dazu kommen die Kosten für die Entsorgung des gesammelten Mülls.

Bild 5 : Hoheitsgewässer und Wirtschaftszonen

Bild 5 : Hoheitsgewässer und Wirtschaftszonen

Die Lösung darf also nicht schädlicher sein als das Problem, dabei haben wir noch nicht einmal über die politischen Probleme gesprochen denn ein großer Teil der Meereswirbel liegt außerhalb von Hoheitsgewässern und ausschließlichen Wirtschaftszonen, wie wir auf Bild 5

sehen und kein Staat möchte die Verantwortung für die Müllteppiche oder die Kosten für die Säuberung der Ozeane übernehmen.

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